Zitat des Tages

Persönlicher Ferien- und Ostergruß des Schulleiters (03.04.2020)

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, liebe Eltern und Erziehungsberechtigte  – kurz:

Liebe Schulfamilie,

ich möchte Sie und euch alle nicht in die Ferien verabschieden, ohne mich in dieser mehr als nur befremdlichen Zeit ein weiteres Mal – recht persönlich – an Sie und euch zu gewendet zu haben.

Freilich fühlt sich der Beginn der Osterferien in diesem Jahr nicht wie ein Ferienbeginn an. Zu merkwürdig, neuartig und insgesamt gewiss emotional belastend waren und sind die letzten Wochen. Gleichwohl ist vielleicht gerade das ein Grund, jetzt Ferien als solche auch anzunehmen und gerade in der Kar- und Osterzeit, die ganz anders als solche wahrgenommen wird, bewusst den Blick von schulischen Fragen auf sich selbst zu richten – weniger auf Fragen der Bildung als auf Fragen des Seins:

  • Woraus ziehe ich meine Kraft, meine Zuversicht?
  • Worauf hoffe ich?
  • Was sagt mir die Osterbotschaft, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist?
  • Trägt mich die im Kreuz Jesu zum Ausdruck kommende Zusage Gottes, gerade im Leid und eben über den Tod hinaus mir verbunden zu sein?

Vielleicht verwundert oder irritiert einzelne von Ihnen und euch, dass ich als Schulleiter einen – ungewohnt – so offensichtlich und unverblümt von meiner christlichen Überzeugung geprägten Osterferienbrief schreibe, aber in dieser von Angst, Krankheit und auch Tod geprägten Zeit kann und möchte ich – ohne zu vereinnahmen! – in einem ausdrücklich persönlichen Gruß mit meinem Glauben an die Güte, Liebe und vergebende Zugewandtheit Gottes nicht hinter dem Berg halten.

Aber selbst, wenn Sie es profaner halten bzw. ihr es profaner haltet, stellt uns die Osterzeit wenigstens vor die Auseinandersetzung mit dem Kreislauf des Lebens, mit dem Wiedererblühen  und dem Erleben der erneuernden Kräfte der Natur. Auch das kann gerade jetzt inspirieren und motivieren, relativieren und regenerieren.

Gleichwohl können wir alle und nicht nur, aber eben besonders unsere Schülerinnen und Schüler, die Ferien auch nutzen, ein wenig Normalität vorwegzunehmen, wenigstens gedanklich (ggf. auch schulisch) am Ball, sozusagen im Rhythmus zu bleiben. Das – und dies ist mir ein Anliegen – verhindert eben nicht nur, dass wir uns angesichts sich überschlagender Nachrichten und Informationen in Sorgen, Ängsten und Ungewissheit verlieren, sondern kann auch ein Ausdruck des Hoffens und Vertrauens auf bessere Zeiten sein: sich gedanklich schon darauf einzulassen und darauf vorzubereiten, dass es bald wieder anders sein wird (!) – um es mit Oscar Wilde zu sagen:

Everything is going to be fine in the end. If it's not fine, it's not the end.

Wenn wir den Blick ungeachtet all dessen, was uns bedrückt und beschäftigt, nach vorne richten, gibt es auch in der Schule Dinge, auf die wir zuversichtlich und auch teils mit Vorfreude schauen dürfen:

  • Wir werden Schulhof I und II wohl komplett neu gestaltet vorfinden.
  • Der Brandschutz im Gebäude ist optimiert worden, es gibt neue Brandschutztüren.
  • Auf die jüngeren Schülerinnen und Schüler unserer Schulfamilie warten nagelneue Kletter- und Spielgeräte, die der Förderverein gestiftet hat!
  • Unsere Schulfamilie wird gemeinsam eine schwierige und herausfordernde Situation gemeinsam hoffentlich bewältigt haben und zudem weiterhin gemeinsam angehen, indem sie zusammenrückt und engagiert und aufmerksam einander (unter)stützt.

Viele von Ihnen und euch werden ganz unterschiedlich durch diese Zeit gekommen sein, unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, auf unterschiedliche Art Einschränkungen und Verluste erfahren haben. Noch wissen wir gar nicht, wann wir diese Zwischenbilanz ziehen werden, denn der genaue Termin der Wiederaufnahme des Unterrichts ist leider immer noch ungewiss. Unsere Schülerinnen und Schüler werden, wenn es soweit sein wird, mit unterschiedlichen Ergebnissen, Kompetenzen und Kenntnisständen aus der Schließungszeit zurückkehren, was neben Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft gerade in dieser Zeit eben vielmehr auch Rahmenbedingungen geschuldet ist, auf die wir alle keinen Einfluss hatten: Arbeitsverpflichtung der Eltern, Betreuungssituationen, häusliche digitale Möglichkeiten und so vieles mehr.

Wir am Franken-Gymnasium müssen und werden zusehen, dass wir alle mitnehmen und – wie immer das im Einzelfall auch gestaltet sein mag – niemanden zurücklassen. Auch das werden wir zweifellos nur in offener, verständnisvoller und konstruktiver Kommunikation und in Bereitschaft zu gegebenenfalls ungewöhnlichen oder ungewohnten Lösungsansätzen schaffen. Augenmaß, Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl werden von besonderer und noch größerer Bedeutung sein, ohne dabei grundsätzliche schulische Belange, Ansprüche und Ziele aus den Augen zu verlieren. Das ist zwar nahezu die sprichwörtliche Quadratur des Kreises und somit gewiss eine äußerst ungewöhnliche und mehr als nur spezielle Herausforderung. Aber wir werden auch diese Aufgabe bewältigen.

Immer noch durchstehen wir eine Zeit, die in hoffentlich schon naher Zukunft bewirkt haben wird, dass diese Ausnahmesituation uns trotz der erzwungenen räumlichen Trennung näher zusammen-rücken lassen hat und sich alle kooperativ wie auch mit(einander)leidend in die Verantwortung und Pflicht genommen fühlen. Wenn wir uns als Schulfamilie in und nach der Schließungszeit weiterhin neben empathischer Mitsorge auf konstruktive Kompromissbereitschaft, verantwortete Selbständigkeit sowie verständnisvolle Kommunikation verständigen, werden wir im Nachgang dieser Krise doch hilfreiche Impulse und Erfahrungen aus dieser Situation mitnehmen.

So wünsche ich Ihnen und euch allen in den Ferien des Frühjahrs Erholung, Abstand, Sammlung, gute (wenn auch meist nicht analoge) Kontakte, Muße, Zuversicht, Geduld, ein gewisses Maß an Gelassenheit und vor allem Gesundheit.

Ihnen und euch allen von Herzen erholsame Osterferien, besinnlich-regenerierende Momente und gesegnete Ostertage ganz im Sinne der Osterbotschaft: Das Leben besiegt den Tod! Die Liebe besiegt den Tod!

In Verbundenheit

Ihr/Euer Schulleiter

Joachim P. Beilharz

„Der Herr ist auferstanden.“ „Er ist wahrhaftig auferstanden.“ -  „Halleluja!“

(Mit diesen Rufen begrüßen sich Christen weltweit am Ostersonntag.)